Zum Inhalt springen

Fondssparplan oder private Rentenversicherung?

Fast zwei Jahrzehnte sind vergangen, seit der damalige Sozialminister Norbert Blüm im Oktober 1997 sein viel zitiertes „Die Rente ist sicher!“ von sich gab – zwei Jahrzehnte mit beispielloser Flickschusterei und Demontage der einst international hoch gelobten sozialen Sicherungssysteme unseres Landes.

Heute ist Blühm 80 Jahre alt und geläutert: Die Rente sei nicht mehr sicher, räumte er in jüngster Zeit in mehreren Interviews und Fernsehauftritten ein. Er sieht die Schuld bei der Schröder-Regierung – speziell bei seinem sozialdemokratischen Nachfolger Walter Riester, Namensgeber der staatlich geförderten Zusatzrente. Sie ist vor allem ein staatliches Konjunkturprogramm für die Finanzwirtschaft und in vielen Fällen für die Bürger sogar ein Minusgeschäft. Die Anbieter – private Banken, Fondsgesellschaften und Versicherungskonzerne – verlangen oft hohe Abschlussgebühren und müssen nur eine geringe Verzinsung garantieren. Geringverdiener, für die die Zusatzrente eigentlich eingeführt wurde, sollten ohnehin besser keinen Vertrag abschließen: Wenn ihre reguläre Rente unter der Grundsicherung liegt, werden die Bezüge aus der Riester-Rente mit dieser verrechnet.

Die Anbieter klassischer privater Rentenversicherungen profitieren davon, dass die Deutschen bei der Geldanlage extreme Angsthasen sind und jegliches noch so geringe Risiko scheuen. Denn gerade für junge Erwerbstätige, die bis zum Renteneintritt noch 40 Jahre Arbeit vor sich haben, ist ein ETF-Sparplan häufig die bessere Alternative. Folgendes Rechenbeispiel soll das verdeutlichen:

Ein 27-jähriger Arbeitnehmer kann für seine Altersvorsorge monatlich 200 Euro beiseite legen. Er richtet sich bei einem Discountbroker ein kostenloses Online-Depot ein und investiert monatlich je 100 Euro in zwei ETF-Sparpläne: einen auf den Aktienindex S&P 500, in dem die 500 größten US-Unternehmen enthalten sind, und einen auf den Eurostoxx 600 (die 600 größten europäischen Unternehmen). Die Discountbroker haben mit einigen Anbietern spezielle Haustarife abgeschlossen und bieten Sparpläne auf die großen Indices ohne Ausgabeaufschlag an. Es wird daher nur eine geringe Managementgebühr vom Fondskapital abgezogen (meist unter 0,5 Prozent pro Jahr).

Nach Abzug aller Kosten kann man konservativ gerechnet von einer langfristigen Rendite von 7,5 Prozent pro Jahr ausgehen. Stärkere Kursschwankungen werden zudem durch den sogenannten Cost-Average-Effekt abgemildert – wenn die Kurse nachgeben, kann man von seinem Monatsbeitrag mehr Anteile kaufen und hat so langfristig gesehen wieder einen Vorteil.

Nach 40 Jahren hat man bei 7,5 Prozent Rendite 96.000,00 Euro eingezahlt und ein Gesamtkapital von 567.328,36 Euro angespart. Mit Renteneintritt werden die Fondsanteile über die Börse verkauft, wobei etwa 124.000 Euro Steuern anfallen. Das restliche Kapital in Höhe von 443.000 Euro investiert man zu etwa gleichen Anteilen in 10 dividendenstarke Aktiengesellschaften aus verschiedenen Ländern und Branchen, die pro Jahr im Schnitt mindestens 3,5 Prozent Dividende ausschütten und ihre Dividenden in den vergangenen 20 Jahren möglichst immer erhöht haben. Aus dieser Geldanlage erhält man nun ein jährlich steigendes Zusatzeinkommen von anfangs etwa 15.500 Euro brutto abzüglich rund 4100 Euro Abgeltungssteuer, die man sich jedoch je nach Höhe des Gesamteinkommens anteilig über die Steuererklärung zurückholen kann. Im ungünstigsten Fall bleiben also 11400 Euro, was einer anfänglichen monatlichen Zusatzrente von 950 Euro entspricht – netto, inflationsgesichert und garantiert bis zum Lebensende.

Noch höhere Erträge erzielt man, wenn man die Fondsanteile nicht in Dividenden-Aktien umwandelt und somit die doppelte Kapitalertragssteuer (1x auf den Verkauf der ETF-Anteile und 1x auf die Dividenden) umgeht. Man verkauft einfach einmal im Jahr rund 3,5 Prozent der Anteile und verwendet die Summe – anfangs etwa 15.000 Euro jährlich nach Steuern – als jährliche Rentenaufbesserung. Verkaufen Sie nach Möglichkeit immer zu einem festen Datum. Ein guter Zeitpunkt ist Ende Januar, denn das ist statistisch betrachtet der Monat mit den höchsten Kurssteigerungen. Der Nachteil dieser Strategie ist, dass die jährlichen Erträge stark schwanken können – in der Regel deutlich stärker als die Dividenden. Deshalb empfiehlt es sich, bei günstigen Verkaufskursen einen Notgroschen zurückzulegen, um in Baissephasen ein finanzielles Polster zu haben.

Interessant ist der Vergleich mit einer privaten Rentenversicherung: Gibt man zum Beispiel bei biallo.de ein mit diesem Sparplanmodell vergleichbares Suchprofil ein (Alter: 27 Jahre, 40 Jahre Laufzeit, 200 Euro Einzahlung, 20 Jahre Hinterbliebenenschutz, dynamische Rentenentwicklung, chancenorientiert), so liegt die höchste, garantierte Monatsrente aller aufgelisteten Versicherer nur bei knapp 350 Euro. Inklusive Gewinn- und Überschussanteilen wird von diesem Anbieter eine Maximalrente in Höhe von 680 Euro in Aussicht gestellt – vor Steuern wohlgemerkt. Der Versicherer mit der höchsten Maximalrente von rund 1500 Euro gibt gar keinen Garantiebetrag an. Die alternativ möglichen einmaligen Kapitalabfindungen bei Renteneintritt liegen allesamt unter 400.000 Euro.

Das Risiko: Aufgrund der – wie beim Sparplanmodell – nicht garantierten Maximalrenten trägt der Versicherungsnehmer bei chancenorientierten Verträgen ebenfalls ein hohes Eigenrisiko. Die Garantiebeträge sind so niedrig angesetzt, dass ein ETF-Sparplan diese bei 40 Jahren Laufzeit mit einer extrem hohen Wahrscheinlichkeit übertreffen wird. Zudem investieren Versicherungskonzerne die eingezahlten Beiträge überwiegend in Anleihen, und dabei handelt es sich um Gegensatz zu Aktien, ETFs und Fonds nicht um Sachwerte. In Währungskrisen sind deshalb – wie auch bei Lebensversicherungen – Totalausfälle möglich. Die wirtschaftliche Situation der Versicherungsgesellschaft ist ein weiteres Risiko: Geht sie in die Insolvenz, drohen unter Umständen auch den Versicherten Zahlungsausfälle.

Die Flexibilität: Da man bei einem ETF-Sparplan in vollem Umfang über das angesparte Kapital verfügen kann, ist dieses Modell in punkto Flexibilität unschlagbar. Private Rentenversicherungen zahlen die monatliche Rente nach dem Tod des Versicherungsnehmers je nach Vertragsgestaltung maximal 20 Jahre lang an die Hinterbliebenen weiter – am Ende steht also in jedem Fall ein vollständiger Kapitalverzehr. Das Aktiendepot hingegen wird mit den Jahren immer wertvoller, da die Rente ausschließlich aus den Ausschüttungen gezahlt wird, und kann an die Hinterbliebenen vererbt werden.

Sei der Erste der einen Kommentar abgibt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.