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Aktienfonds und ETFs: Die wichtigsten Unterschiede

Aktienfonds und ETFs (Exchange Traded Funds) sind die richtigen Produkte für Anleger, die an der Wertschöpfung der Wirtschaft partizipieren wollen, ohne in Einzelaktien zu investieren. Allerdings gibt es zwischen den aktiv gemanagten Aktienfonds und passiven Index-ETFs erhebliche Unterschiede – nicht nur bei den Kosten.

Aktiv gemanagte Aktienfonds haben den größten Anteil am weltweiten Fondsvolumen. Sie werden von Fondsmanagern betreut und enthalten je nach Anlageschwerpunkt Aktien bestimmter Branchen, Kontinente, Länder oder Unternehmensgrößen. Ziel jedes Fondsmanagers ist, die sogenannte Benchmark zu schlagen. Ein Fonds, der sich aus Aktien der größten deutschen oder europäischen Unternehmen zusammensetzt, versucht beispielsweise, die Kursentwicklung des DAX bzw. des EuroStoxx zu übertreffen. Das Honorar für das Fondsmanagement, die sogenannte Managementgebühr, und weitere jährliche Kosten müssen im Verkaufsprospekt als Total Expense Ratio (TER) ausgewiesen werden. Dabei handelt es sich meist um einen Prozentsatz zwischen 0,3 bis 3 Prozent, der jährlich aus dem Anlagekapital entnommen wird. Renommierte Fondsanbieter, die über mehrere Jahre hinweg eine Überrendite erwirtschaften konnten, kassieren in der Regel auch höhere Managementgebühren als kleine oder weniger erfolgreiche Fondsgesellschaften. Viele Gesellschaften erheben auch erfolgsabhängige Provisionen, die sogenannten Performance Fees.

Neben den jählichen Verwaltungskosten verlangen die Fondsgesellschaften einen Ausgabeaufschlag, der meist zwischen zwei und sechs Prozent des Fondsanteils liegt. Dieser lässt sich aber umgehen, indem man den gewünschten Fonds nicht direkt bei der Fondsgesellschaft kauft, sondern beispielsweise an der Fondsbörse in Hamburg. Achten Sie beim Kauf aber auf den Spread, also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Er kann bei kleineren, wenig gehandelten Fonds so hoch sein, dass ein außerbörslicher Kauf über den Online-Broker billiger ist – zumal in diesem Fall auch keine Order- und Maklergebüren anfallen. Außerdem bieten die meisten Online-Broker bestimmte Fonds zu reduzierten Ausgabeaufschlägen an. Der Verkauf von Fondsanteilen ist meistens über die Fondsgesellschaft am günstigsten, denn er ist gebührenfrei. Ausgabeaufschläge oder Ordergebühren für den Fondskauf werden in der TER übrigens nicht berücksichtigt.

Thesaurierende und ausschüttende Fonds

Ein wichtiges Kriterium bei der Fondsauswahl ist, was mit der Dividende passiert. Bei thesaurierenden Aktienfonds wird die Dividende wieder in Aktien investiert, bei ausschüttenden Fonds einmal im Jahr an die Anleger ausgezahlt. Wenn Sie Ihren Lebensunterhalt aus der Kapitalanlage bestreiten wollen, sollten Sie sich für die ausschüttende Variante entscheiden. Geht es Ihnen um die Gewinnmaximierung, ist ein thesaurierender Fonds die bessere Wahl. Renommierte Fondsgesellschaften bieten ihre größten Fonds in der Regel in beiden Varianten an.

Eine Rolle spielt auch die Basiswährung des Fonds. Zum Ausschluss von Währungsrisiken müssen Sie nicht zwangsläufig Fonds aus dem Euroraum kaufen. Viele Fondsgesellschaften, die global diversifizierte Fonds anbieten, haben auch währungsgesicherte Varianten im Angebot. Die Währungssicherheit sollte beim Fondskauf allerdings nicht das entscheidende Kriterium sein, denn die Erfahrung zeigt, dass Wechselkurs-Schwankungen mittelfristig durch die Gewinnentwicklung der Unternehmen ausgeglichen werden.

Passiv gemanagte Exchange Traded Funds (ETF)

ETFs (Exchange Traded Funds = Börsengehandelte Fonds) sind passiv gemanagte Aktienportfolios, die einen Aktienindex abbilden. Das können große Indizes wie der DAX oder der Dow Jones sein, aber auch spezielle Branchenindizes. Im Gegensatz zu klassischen Aktienfonds werden ETF-Anteile nicht vom Emittenten selbst oder von Partnerbanken vertrieben, sondern ausschließlich über die Börse gehandelt. Ein Vorteil von ETFs ist die für den Anleger günstige Kostenstruktur. Es gibt keinen Ausgabeaufschlag, sondern nur eine vergleichsweise geringe jährliche TER zwischen 0 und 1 Prozent, die aus dem Fondsvermögen entnommen wird. Je nach Fondsvolumen gibt es bei ETFs mehr oder weniger große Liquiditätsunterschiede – daher gilt es auch hier, auf die Spreads zu achten und gegebenenfalls zur Absicherung Kauf- und Verkaufslimits zu setzen.

Die meisten ETF bedienen sich der sogenannten synthetischen Indexnachbildung, indem sie teilweise oder ausschließlich Aktien großer Unternehmen kaufen, die im Index gar nicht enthalten sind. Diese Methode funktioniert folgendermaßen: Eine Fondsgesellschaft bildet beispielsweise den S-Dax ab, kauft aber statt der Aktien der 50 keinen S-Dax-Unternehmen ein Portfolio aus 10 bis 15 verschiedenen deutschen oder europäischen Standardwerten wie Siemens, BASF, Danone oder Royal Dutch Shell. Das hat einen beträchtlichen Kostenvorteil: Wegen der hohen Liquidität der Standardwerte sind die Spreads gering, außerdem müssen anstatt 50 Orders nur 15 aufgegeben werden. Um die Wertentwicklung des Index mit Fremdaktien dennoch genau abbilden zu können, bedienen sich die Fondsgesellschaften eines sogenannten Swaps (eines Austauschs von Zahlungsströmen): Die Fondsgesellschaft vereinbart mit einer Investmentbank, die Entwicklung seines Fondsvermögens gegen die Kursentwicklung des abzubildenden Index zu tauschen. Dazu erhalten das Fondsportfolio und der Aktienindex zum Zeitpunkt der Tauschvereinbarung einen fiktiven Ausgangswert von beispielsweise 1000 Basispunkten. Entwickelt sich in der Folge der Index um drei Prozent besser als das Aktienportfolio der Fondsgesellschaft, schließt der entstandene Swap mit einem Wert von 30 Basispunkten die Bewertungslücke. Das Aktienportfolio plus Swap entspricht also exakt dem Wert eines echten S-Dax-Portfolios. Im umgekehrten Fall – der Index entwickelt sich schlechter als das reale Aktiendepot der Fondsgesellschaft – entsteht ein negativer Swap.

Was für den Anleger wichtig ist: Da es sich bei einem Swap rechtlich gesehen um eine Schuldverschreibung handelt, gibt es natürlich auch ein Ausfallrisiko. Das bedeutet, dass ein Fonds den Swap-Anteil verliert, wenn die Partnerbank zahlungsunfähig ist. Aus diesem Grund hat der Gesetzgeber festgelegt, dass der Swap-Anteil der in Deutschland zugelassenen ETFs nicht größer als 10 Prozent sein darf. Wird diese Schwelle erreicht, muss der Swap ausgezahlt und ein neuer Swap-Vertrag abgeschlossen werden. Im Finanzjargon nennt man das Reset.

Ein positiver Swap wird zurückgesetzt, indem die Partnerbank der Fondsgesellschaft den Differenzbetrag auszahlt, und diese davon zusätzliche Aktien kauft. Ein negativer Swap, indem die Fondsgesellschaft den überschüssigen Aktienanteil liquidiert und den Erlös an die Partnerbank weitergibt. Um das Ausfallrisiko eines Swaps zu minimieren, schließen die Fondsgesellschaften in der Regel mit mehreren Banken gleichzeitig Swap-Verträge ab und vereinbaren von sich aus oft kleinere Reset-Intervalle. Daher liegt der Swap-Anteil der ETFs, die in Deutschland zum Handel zugelassen sind, in der Praxis nur bei zwei bis drei Prozent.

Welcher Fondstyp ist der bessere?

Kaum ein Drittel der Fondsmanager schneidet mit aktivem Fondsmanagement besser ab als der Vergleichsindex. Berücksichtigt man dann noch Managementgebühren, Performance Fees sowie eventuelle Ausgabeaufschläge, wird die Wahrscheinlichkeit noch kleiner, mit einem aktiv gemanagten Aktienfonds eine Überrendite zu erzielen. Daher sind kostengünstige ETFs in vielen Fällen die bessere Wahl, denn ihre Performance entspricht ziemlich genau dem Index, den sie abbilden.

Für alle Investments in Aktienfonds oder ETFs gilt: Laden Sie vor dem Kauf den Fondsprospekt herunter und lesen Sie ihn aufmerksam durch. Achten Sie neben der Performance in den vergangenen Jahren vor allem auf die Gesamtkostenquote (TER), den Ausgabe-Aufschlag und die Verwendung der Dividenden. Wichtig ist auch, ob die Fondsgesellschaft mit Swaps arbeitet oder ihre Aktien gar verleiht, denn solche Leihgeschäfte sind intransparent und mit zusätzlichen Risiken behaftet. Da es sich bei Aktienfonds und ETFs um Sondervermögen handelt, unterliegen sie, bis auf den Swap-Anteil, keinem Emittentenrisiko. Das heißt, dass Sie auch im Fall einer Bankenpleite keinen Totalverlust hinnehmen müssen, denn Ihr Anteil am zugrundeliegenden Aktienportfolio bleibt erhalten. Grundsätzlich empfiehlt es sich, auf renommierte Fondsgesellschaften wie DWS, Pioneer, Fidelity oder Templeton zu setzen. Große europäische ETF-Anbieter sind unter anderem Lyxor, ComStage, iShares und db X-Trackers.

One Comment

  1. Grundsätzlich weißen Aktienfonds im Vergleich zu Rentenfonds ein erhöhtes Risiko auf, jedoch auch eine erhöhte Chance auf Kursgewinne. Aktuell würde ich das mögliche Risiko beider Fondsarten jedoch gleichsetzten, wobei die Chancen auf Kursgewinne bei Rentenfonds wesentlich hinter denen von Aktienfonds zurück liegen. Aktienfonds werden durch die expansive Geldpolitik getrieben. Wohingegen Rentenfonds derzeit extrem dem Zinssatzrisiko ausgesetzt sind. Bei niedrigen Zinsen ist der Gewinn meist schon in den Rentenfondskursen eingepreist, sodass man dem Risiko von steigenden Zinssätze, somit fallenden Anleihenkursen, direkt ausgesetzt ist. Auch wenn man immer hört, dass Rentenfondseine konservative Anlage sind, sind sie meiner Meinung aktuell risikomäßig beinahe mit Aktienfonds gleichzusetzen. Das Chancen/Risikoverhältnis gewinnen aktuell sicherlich die Aktienfonds!

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