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Was uns die Geldentwertung lehrt

Ob Rettungsschirm oder Quantitative Easing: Die Euro-Krise, besser gesagt die weltweite Staatsschuldenkrise, hat einige neue Wortschöpfungen geboren. Diese Kunstwörter haben eines gemeinsam: Sie verklausulieren die Tatsache, dass das Vertrauen in die globalen Währungen Euro und US-Dollar zusehends schwindet.

Kein Wunder, denn das bedruckte Papier hat keinen inneren Wert. Im Gegensatz zu Unternehmensanteilen, sprich Aktien, verkörpern Euro- und Dollarscheine lediglich einen virtuellen Wert, und zwar die Leistung einer Volkswirtschaft. Und während die Bruttoinlandsprodukte nur langsam steigen, wird diesseits und jenseits des Atlantiks fleißig neues Geld erschaffen. Die Wertschöpfung der Volkswirtschaften verteilt sich also auf immer mehr bunte Scheine. Egal, wie die Schuldenkrise ausgeht ­– am Ende werden alle Menschen, die keine Sachwerte besitzen, ärmer sein als vorher.

Im günstigsten Fall kommt es zu einer starken Inflation. Diese ist heute schon absehbar, beispielsweise anhand der Entwicklung der Rohstoffpreise. Das kritischere Szenario aber ist eine Währungsreform. 1948 wurden beispielsweise in Deutschland im Zuge der D-Mark-Einführung für 100 Reichsmark nur etwa 6,50 DM ausgezahlt. Im Anschluss schnellten die Inflationsraten erneut in die Höhe und führten zu einem weiteren Kaufkraftschwund. Dennoch war die D-Mark im europäischen Vergleich wertbeständig. Sie verlor zwischen 1950 und 1977 „nur“ 56 Prozent ihrer Kaufkraft. Zum Vergleich: Das Britische Pfund und der Franc werteten im gleichen Zeitraum um 82 bzw. 79 Prozent ab.

Der US-Dollar konnte zwar bis 1971 zu einem festen Kurs von 35 Dollar in eine Unze Gold eingetauscht werden, war aber trotzdem nur theoretisch wertstabil. Grund: Die USA druckten jede Menge Geld, um ihr wachsendes Außenhandelsdefizit sowie den Vietnamkrieg zu finanzieren. Das zwang die europäischen Zentralbanken, ebenfalls die Druckmaschinen anzuwerfen, um die vereinbarten festen Wechselkurse durch massive Dollar-Aufkäufe stabil zu halten. Faktisch waren die USA schon in den 60er-Jahren nicht mehr in der Lage, alle Dollars, wie im sogenannten Bretton-Woods-Abkommen von 1950 festgelegt, in Gold auszulösen. Darum stoppte der damalige Präsident Richard Nixon 1971 zunächst den Goldeintausch zum festen Wechselkurs und hob damit den Goldstandard auf. 1973 verabschiedeten sich die Staaten schließlich auch von den im Bretton-Woods-Abkommen vereinbarten festen Wechselkursen. In der Folge wertete der Dollar von 1971 bis 1977 gegenüber der D-Mark um über 30 Prozent ab.

Die Geschichte lehrt vor allem eins: Währungen erleichtern zwar das tägliche Leben, haben das in sie gesetzte Vertrauen aber nicht verdient, denn sie waren schon immer Spielbälle politischer Interessen. Hätte man beispielsweise 1970 für den Gegenwert eines VW Käfer Modell 1200 (rund 2400 Euro) Gold gekauft, hätte das heute einen Wert von rund 41.500 Euro. Der gleiche Betrag, angelegt in Coca Cola-Aktien, hätte vom 1. Juni 1970 bis heute satte 132.126 Euro gebracht. Auf einem Sparbuch mit durchschnittlich vier Prozent Zinsen pro Jahr hätten sich gleichen Zeitraum magere 11.983 Euro angesammelt. Für einen neuen VW Golf in Basisausführung reicht das heute nicht mehr.

Dieses Beispiel sollte auch den letzten Sachwert-Skeptiker überzeugen. Das Geld, das man nicht unbedingt zum Leben bzw. als Notgroschen für unvorhergesehene Ausgaben braucht, ist als Aktien-Anlage langfristig betrachtet am besten aufgehoben ­– zumal die Aktien vieler solider Unternehmen derzeit sehr moderat bewertet sind. Wer auf Sicherheit und Kaufkrafterhalt setzt, der ist mit Gold langfristig betrachtet immer noch besser bedient als mit einem Sparkonto oder Bundesanleihen.

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