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Euro-Krise: Eine verschleierte Bankenkrise

Die Finanzkrise ist gerade einmal drei Jahre her und schon wieder zeichnet sich an den europäischen Finanzmärkten eine handfeste Krise ab. Auslöser dieser Krise sind diesmal nicht überschuldete US-Bürger, sondern überschuldete Staaten in Südeuropa, die – im Währungskorsett des Euro eingezwängt – kaum eine Chance haben, ihre Probleme selbst zu lösen und auf Finanzhilfen der wirtschaftlich stärkeren Eurostaaten angewiesen sind. Durch die Medien geistert seit Monaten der Begriff Euro-Krise. Wer die Situation genauer analysiert, wird aber feststellen, dass der Euro nur ein Teil des Problems ist. Der andere sind – mal wieder – die Banken.

Wie legt ein vernünftiger, risikobewusster Privatanleger sein Geld an? Er kauft möglichst sichere Aktien, Staats- und Unternehmensanleihen und gibt sich zugunsten der Sicherheit des eingesetzten Kapitals mit ein paar Prozent weniger Rendite zufrieden. Würde er wie eine Investmentbank investieren, dann ginge er zunächst zu seiner Hausbank, holte sich unter Verpfändung seines Eigenkapitals den größtmöglichen Kredit und steckte das gesamte Geld in die Anleihen Griechenlands, Portugals und Irlands, denn die geringe Bonität dieser Länder bringt die höchsten Zinsen. Darüber hinaus kreierte er auf Basis dieser Investments noch ein paar komplizierte Finanzderivate, die er für hohe Verwaltungskosten an andere Privatanleger weiterverkaufte. Träte der nicht unwahrscheinliche Fall ein, dass die Staaten ihre Anleihen zum vorgesehenen Zeitpunkt nicht zurückzahlen oder umschulden könnten, würde es natürlich problematisch: Der Privatanleger könnte seinen Bankkredit ebenfalls nicht mehr bedienen und wäre plötzlich so überschuldet, dass er ohne fremde Hilfe nie wieder auf die Beine käme.

Nun zu den Investmentbanken: Was passiert, wenn dieses Szenario einer Deutschen Bank oder einer Societé Génerale widerfährt? Im Prinzip genau das gleiche: Sie ist faktisch pleite – wie Lehman Brothers und etliche weitere Banken vor drei Jahren. Im Gegensatz zum Privatanleger können sich diese Geldhäuser aber darauf verlassen, dass der Staat – und damit der Steuerzahler – ihnen mit zusätzlichen Krediten und Bürgschaften unter die Arme greift und damit vor dem Schlimmsten bewahrt. Dieses Vorgehen wird dann mit der sogenannten Systemrelevanz begründet: Ließe man einen dieser Global Player fallen, fiele die globale Finanzwirtschaft wie ein Kartenhaus zusammen.

Das Problem ist, dass die großen Investmentbanken um ihre Systemrelevanz wissen und sich deshalb freimütig in jedes noch so spekulative Investmentabenteuer stürzen – wenn’s eng wird, dann werden die Staaten oder Staatengemeinschaften sie schon raushauen. Die US-Regierung hat in dieser Situation vor drei Jahren zwar nicht alles, aber doch vieles richtig gemacht: Sie hat die große Investmentbank Lehman Brothers Pleite gehen lassen und damit allen anderen Banken gezeigt, dass sie sich nicht zu sehr auf staatliche Rettungsmaßnahmen verlassen sollten.

Seitdem wurden viele Vorschläge diskutiert, wie man die riskanten Bankenspekulationen eindämmen oder zumindest absichern könnte. Darunter waren zum Teil sehr gute Ansätze wie beispielsweise eine bessere Eigenkapitalausstattung und die Einführung einer Finanztransaktionssteuer für die bankeninternen OTC (Over the Counter)-Geschäfte, die außerhalb der Börsen getätigt werden. Passiert ist bis heute so gut wie gar nichts. Kein Wunder: Das internationale Finanzwesen hat sehr viel Geld und nimmt damit sehr viel Einfluss – nicht zuletzt auf politische Entscheidungsprozesse, die sich nachteilig auf die Gewinne auswirken könnten.

Wie groß der Einfluss ist, zeigt die Reaktion verschiedener EU-Politiker auf den deutschen Vorschlag, die Privatinvestoren an den Kosten eines Schuldenschnitts für Griechenland zu beteiligen. Jean-Claude Juncker, der luxemburgische Premierminister, war der erste, der diesen Vorschlag umgehend verwarf. Er weiß natürlich genau, aus welcher Wirtschaftsbranche der Großteil des luxemburgischen Bruttoinlandsprodukts kommt. Dass der Vorschlag von Deutschland kam, verwundert ebenfalls nicht: Deutschland ist der größte Zahlmeister in der EU und besitzt nur wenige Großbanken. Der Kompromiss, eine Beteiligung der Banken auf freiwilliger Basis anzustreben, könnte fauler nicht sein. Das wäre in etwa so, als würde man die EU-Bürger bitten, freiwillig mehr Steuern zu zahlen.

Wahrscheinlich ist, dass auch in der nächsten Finanzkrise die Verluste der Finanzindustrie wieder auf die Allgemeinheit umgelegt werden – die offizielle Mission Euro-Rettung ist also wieder nichts anderes als eine Bankenrettung, weil ja ein Zusammenbruch der Finanzmärkte für jeden Einzelnen angeblich weitaus schlimmere Folgen hätte. Ob das wirklich so ist, weiß aber keiner, denn Staatspleiten werden bei den Stresstests der Euro-Banken gar nicht berücksichtigt. Deshalb finde ich, man sollte es einfach mal darauf ankommen lassen. Die Auswirkungen mögen schlimm sein, aber am Ende steht vielleicht die Erkenntnis, dass in Wirklichkeit nur die Banken systemrelevant sind, die Finanzkrisen aus eigener Kraft überstehen. Und vielleicht führt ein bisschen staatlicher Finanzdarwinismus ja am Ende dazu, dass die Weltwirtschaft nicht mehr alle paar Jahre kollabiert.

2 Kommentare

  1. Die Euro Krise ist zum Glück „nur“ eine Bankenkrise. Sollte es in der total überhitzten chinesischen Wirtschaft zu einem Crash kommen haben wir nicht nur eine Bankenkrise, sondern eine echte weltweite Wirtschaftskrise. Gestern (12.09.2011) hat der Dax die psychologisch 5.000 er Marke unterschritten. Im Falle eines Crash der chinesischen Wirtschaft werden wir ein Unterschreiten der nächsten wichtigen Marke von 3.000 Punkten sehen. In dem Falle ist alles was wir bisher erlebt haben „Kleinkram“. Dagegen ist selbst die Wirtschaftskrise von 1929-1931 noch harmlos.

  2. „Ich glaube – und hoffe – auch, dass Politik und Wirtschaft in der Zukunft nicht mehr so wichtig sein werden wie in der Vergangenheit. Die Zeit wird kommen, wo die Mehrzahl unserer gegenwärtigen Kontroversen auf diesen Gebieten uns ebenso trivial oder bedeutungslos vorkommen werden wie die theologischen Debatten, an welche die besten Köpfe des Mittelalters ihre Kräfte verschwendeten. Politik und Wirtschaft befassen sich mit Macht und Wohlstand, und weder dem einen noch dem anderen sollte das Hauptinteresse oder gar das ausschließliche Interesse erwachsener, reifer Menschen gelten.“

    Arthur C. Clarke (Profile der Zukunft)

    Mit Kinderkram lässt sich die „Finanzkrise“ nicht beenden. Das Einzige, wozu sich die „hohe Politik“ noch vorübergehend gebrauchen lässt, ist, bei der Verwirklichung der Natürlichen Wirtschaftsordnung zu assistieren, um sich dann überflüssig zu machen:

    http://www.deweles.de/files/merkel_100215.pdf

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