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Apple schlägt Nokia im deutschen Smartphone-Markt

Apple liegt im deutschen Smartphone-Markt erstmals vor Nokia, wie eine aktuelle Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ergeben hat. Der Marktanteil von Nokia schrumpfte binnen Jahresfrist von 38 auf nur noch 24 Prozent.

Diese Entwicklung ist ein gutes Beispiel dafür, wie riskant ein Investment in Technologie-Aktien sein kann. Speziell im IT-Bereich schreitet die Entwicklung so schnell voran, dass selbst ehemalige Platzhirsche wie Nokia den Anschluss verlieren können. Die Management-Fehler liegen heute auf der Hand: Das Unternehmen ist viel zu spät in die Touchscreen-Technologie eingestiegen und hat es versäumt, seinen Ovi-Store zu etablieren. Ich erinnere mich noch gut daran, als ich vor rund sechs Jahren ein paar zusätzliche kleine Programme auf mein altes Nokia-Handy installieren wolle. Die Preise waren selbst für einfachste Software unverschämt hoch, kostenlos gab es so gut wie gar nichts. Nokia dachte natürlich, als Marktführer könne man sich das erlauben, und legte seinen Fokus beim App-Verkauf auf Gewinnmaximierung statt auf Wachstum. Ein dritter Grund für den Abstieg von Nokia dürfte das sperrige und wenig intuitive Betriebssystem Symbian sein, mit dem ich bei meinem N82 bis heute nicht richtig klarkomme. Apple hat die Fehler seines Mitbewerbers früh erkannt und mit dem iPhone von Anfang an ein leicht zu bedienendes Touchscreen-Smartphone mit breiter und kostengünstiger Software-Basis angeboten. Lediglich Google hat dem iPhone trotz seines späten Einstiegs in den Mobile-Markt noch etwas entgegenzusetzen – mit dem Open-Source-Betriebssystem Android und vielen starken Hardware-Partnern wie Samsung und HTC.

Inzwischen hat auch der Nokia-Konzern erkannt, dass er einen Softwarepartner braucht, wenn er langfristig überleben will – und sich ausgerechnet mit Microsoft zusammengetan. Der Windows-Hersteller hat in den vergangenen Jahren im Mobile-Markt auch nicht gerade durch Innovationen geglänzt. Obwohl Microsoft mit Windows CE eigentlich zu den Pionieren der Handheld-Betriebssysteme zählte, hatte es sich zwischenzeitlich komplett aus dem Bereich verabschiedet und erst jetzt mit Windows Phone wieder ein modernes Smartphone-Betriebssystem auf den Markt gebracht. Ein Betriebssystem allein reicht aber nicht, um im Smartphone-Markt erfolgreich zu sein. Das A und O ist eine große Auswahl an Apps. Und hier haben Google und Apple mit ihrem Android Market bzw. Appstore einen so großen Vorsprung, dass Nokia und Microsoft diesen auf mittlere Sicht kaum aufholen dürften. Ich bin der Meinung, hier haben sich zwei Blinde zusammengetan, die zusammen noch lange keinen Sehenden ergeben. Vor etwa einen Jahr hätte ich fast darauf gewettet, dass Nokia sich der Android-Gemeinde anschließt und vielleicht einen Teil seiner Smartphones mit dem Google-Betriebssystem ausstattet.

Qualitativ sind die Smartphones von Nokia immer noch top, aber das war der Amiga in den frühen 90ern auch. Trotzdem zog der Homecomputer von Commodore gegen die modular aufgebauten PCs mit Intel-Prozessor und Microsoft-Betriebssystem den Kürzeren – nicht zuletzt, weil Commodore sich zu sehr auf das Computerspiele-Segment konzentrierte und es für den Office-Bereich kaum Softwarelösungen gab.

Nokia hat heute übrigens im gesamten Handymarkt einen Weltmarktanteil von 25,1 Prozent – das ist der niedrigste Stand seit 1997. Damals betrug der Gewinn im ersten Quartal gut 200 Millionen Euro und lag damit etwa auf dem heutigen Niveau. Wer jetzt einmal kurz die Inflation der vergangenen 14 Jahre überschlägt, wird schnell zum dem Schluss kommen, dass man von der Nokia-Aktie besser die Finger lassen sollte.

 

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