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Sell in May and go away?

An Börsenregeln herrscht bekanntlich kein Mangel. Im Frühling wird alle Jahre wieder der Spruch „Sell in May and go away, but remember to come back in September“ bemüht. Er spielt auf die Kursdelle an, die Dow Jones, DAX und andere Indizes häufig in den Sommermonaten ausbilden.

Erklärungen für dieses Phänomen gibt es genügend: das Ende der Berichtsssaison, schwache Börsenumsätze in der Urlaubszeit sowie Nachfragerückgänge wegen der Betriebsferien in vielen Unternehmen sind noch die plausibelsten. Aber der Hauptgrund ist wohl ein anderer: Jeder Investor kennt diese Regel und viele verhalten sich entsprechend. Sie kaufen keine Aktien oder reduzieren ihre Aktienpositionen sogar – eine klassische self-fulfilling prophecy.

In diesem Jahr kommt allerdings noch ein zweites Phänomen dazu, dass die Sell-in-May-Regel bisher fast immer außer Kraft gesetzt oder zumindest abgeschwächt hat: Wir befinden uns nämlich gerade im dritten Amtsjahr des US-Präsidenten. In diesem Jahr werden in den USA traditionell keine politischen Entscheidungen mehr getroffen, die die Wirtschaft oder das Konsumklima belasten könnten. Das ist gut für die Entwicklung der US-Aktien und stützt indirekt natürlich auch alle anderen wichtigen Börsenindizes rund um den Globus.

Eine dritte Regel – die allerdings nicht nur für die Börse gilt – darf man ebenfalls nicht außer Acht lassen: „Es kommt meistens anders, als man denkt.“ Ich habe den Eindruck, dass zur Sell-in-May-Regel in diesem Jahr besonders viel geschrieben wurde. Es gibt also unter den Anlegern relativ viele Pessimisten, und das deutet eher darauf hin, dass die Kurse nach der kleinen Mai-Korrektur eher wieder steigen. Die Erklärung dafür ist einfach. Pessimismus ist an der Börse meistens Eigennutz, denn Pessimisten sind nicht voll investiert und versuchen daher, mit ihren Analysen die Aktienkurse zu drücken.

Die große Frage ist: Wie soll man sich angesichts eines drohenden Sommerlochs als Privatanleger verhalten? Ich persönlich habe die Kursdelle bisher immer ausgesessen und gegebenenfalls einfach noch ein paar Aktien billig nachgekauft. Wer seine Aktien konsequent im Mai verkauft und sich spätestens im September wieder neu eindeckt, macht statistisch gesehen mehr Gewinn. Trotzdem wird man mit dieser Taktik zwangsläufig vom Investor zum Spekulanten, und das richtige Markt-Timing ist ein Thema für sich. Die Kurse könnten nach dem Verkauf zum Beispiel noch einmal anziehen. Nicht viele haben dann die nötige Disziplin, auf einen späteren Einbruch zu setzen und nicht gleich wieder einzusteigen. Außerdem schmälern solche taktischen Verkäufe durch die zusätzlichen Transaktionsgebühren und den Spread zwischen Verkaufs- und Kaufkurs erstmal die Rendite – von der eventuell anfallenden Abgeltungssteuer ganz zu schweigen.

Wer diese Investmentstrategie dennoch umsetzen will, ist meiner Meinung nach ausnahmsweise mit einem Zertifikat besser beraten, zum Beispiel mit dem Best-Seasons-Zertifikat auf den DAX (DE0005592828) von der Royal Bank of Scotland. Das kostet zwar Verwaltungsgebühren, dürfte aber im Endeffekt trotzdem mehr Rendite bringen.

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