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So holt man die Quellensteuer aus der Schweiz zurück

Schweizer Unternehmen wie Nestlé, Novartis und Roche sind für sicherheitsbewusste Anleger hervorragende Investments. Alle erhöhen zuverlässig Jahr für Jahr ihre recht üppige Dividende. Dazu kommt, dass der Schweizer Franken im Gegensatz zum Euro, Dollar und Pfund kaum unter Schwindsucht leidet, so dass man auch noch auf einen kleinen Währungsgewinn spekulieren kann. Einen Schönheitsfehler hat das Ganze allerdings: die hohe Schweizer Quellensteuer. Von der Bruttodividende bleiben kaum 55 Prozent – 35 Prozent werden von den Eidgenossen einbehalten und weitere 10 Prozent plus Soli gehen als Abgeltungssteuer in das deutsche Steuersäckel.

Glücklicherweise gibt es zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Schweiz ein Doppelbesteuerungsabkommen. In dem ist festgelegt, dass Leute, die in einem Land leben und im anderen Einkünfte erzielen, keine steuerlichen Nachteile haben dürfen. Im Fall der Quellensteuer ist das folgendermaßen geregelt: 15 Prozent der Schweizer Quellensteuer werden automatisch auf die deutsche Abgeltungssteuer angerechnet, so dass am Ende nur 10 statt 25 Prozent gezahlt werden müssen. Die restlichen 20 Prozent bekommt man als Anleger von der Schweizer Steuerbehörde erstattet. Das geht allerdings nicht automatisch, sondern man muss sich um die Rückforderung selber kümmern. Dafür hat man mit Ablauf des Jahrs der ersten Dividendenzahlung drei Jahre Zeit, danach verjähren die Ansprüche.

Für alle, die erstmals mit der Quellensteuer-Rückforderung konfrontiert werden, hier eine kurze Anleitung, wie man sich das Geld aus der Schweiz zurückholt:

  • zuerst bei der Depotbank einen so genannten Tax Voucher anfordern. Dabei handelt es sich um eine formlose Bestätigung der Bank, dass sie die gesamte Quellensteuer ordnungsgemäß an die Schweizer Finanzbehörde abgeführt hat. Ich habe meiner Bank (DAB) einfach eine E-Mail geschrieben und hatte wenige Tage später für jeden Dividendentermin einen Tax Voucher kostenlos im Briefkasten. Einige Banken nehmen dafür allerdings eine Bearbeitungsgebühr. Im Zweifelsfall also vorher nach den Kosten fragen, damit die Quellensteuerrückforderung nicht zum Verlustgeschäft wird. Man braucht den oder die Tax Vouchers nach meiner Information übrigens nur für den Erstantrag
  • anschließend alle betreffenden Dividendenabrechnungen ausdrucken
  • auf der Website der Eidgenössischen Steuerverwaltung das Online-Formular für Deutschland herunterladen
  • den Snapform Viewer herunterladen und installieren. Dabei handelt es sich um ein kleines Tool, mit dem man die Formulare am PC ausfüllen kann. Warum die Schweizer hier so ein exotisches Format (QDF) verwenden und nicht einfach editierbare PDFs für den Adobe Reader, ist mir ehrlich gesagt schleierhaft
  • das Online-Formular nach Anleitung ausfüllen, in dreifacher Ausführung ausdrucken (macht das Programm automatisch) und beim örtlichen Finanzamt abstempeln lassen. Eine Ausführung des Formulars ist für die Schweizer Steuerbehörde, die zweite behält das Finanzamt ein und die dritte ist für die eigenen Unterlagen
  • das erste unterschriebene und vom Finanzamt gegengezeichnete Formular inklusive der Dividendenabrechnungen und Tax Vouchers schickt man per Post an die Eidgenössische Steuerverwaltung. Nach rund zwei bis drei Monaten hat man die zu viel gezahlte Quellensteuer dann in der Regel auf dem Konto

33 Kommentare

  1. TeuerLeser TeuerLeser

    Hallo,
    Leider sind die Verlinkungen nicht mehr zu finden

    • Folkert Folkert

      Hallo, habe die Links alle aktualisiert. War nach vier Jahren wohl mal wieder nötig. 🙂

  2. Joachim Joachim

    Hervorragende Info. Vielen Dank. Ich habe bereits für 2013 die schweizerische Quellensteuer für 200 Nestle-Aktien zurückbekommen. Für 2014 (Zukauf 60 Aktien) und 2015 möchte ich für 260 Nestle-Aktien ebenfalls die Quellensteuer zurückholen. Jetzt aber ist mir nicht klar, ob der Tax-Voucher von 2013 (hat damals 10 € bei flatex/biw gekostet) auch für die 260 Aktien in 2014 / 2015 gilt. Eine genaue Regelung finde ich nirgendwo …….Und auf meinem damaligen Tax-Voucher stand keine Aktienanzahl.
    LG von Joachim

    • Folkert Folkert

      Hallo Joachim,

      entschuldige bitte die verspätete Antwort. Nach meiner Kenntnis brauchst Du für jeden Nachkauf einen neuen Tax-Voucher. Ich lasse mir vor dem Antrag von der DAB immer die Tax-Vouchers für meinen aktuellen Depotbestand zuschicken und bekomme dann immer nur welche für die Aktien, die ich in dem betreffenden Zeitraum neu hinzugekauft habe.

      Viele Grüße

      Folkert

  3. Manuel Manuel

    Hallo,

    sehr verständlich erklärt. Trotzdem habe ich noch eine Frage. Muss die Bank an die die Rückerstattung geht identisch mit der sein, die das Tax Voucher ausgestellt hat?
    Cortal Consors verlangt 19,99 € für eine Überweisung in CHF, bei der DAB Bank kann man kostenlos ein CHF Konto eröffnen.

    • Folkert Folkert

      Hallo Manuel,

      sorry für die verspätete Antwort. Die Banken müssen nicht identisch sein. Ich lasse mir die Rückerstattung auf mein normales Girokonto bei der Postbank überweisen, habe mein Depot aber bei der DAB. Das Geld wird in Euro überwiesen, nicht in CHF.

      Grüße

      Folkert

    • Hallo zusammen, es ist wirklich viel gute Info und das erlaubt mir noch folgende Frage: wie ist es, wenn man deutsche Aktien bei einer Schweizer Bank im Depot hat ?
      Von der schweizer Bank wurde bei der Dividendenabrechnung gleich die deutsche Abg. st. plus Soli abgezogen. Mein Finanzamt hat nun zwar den Ertrag anerkannt, nicht aber die bereits entrichtete STeuer. So wurde der Ertrag doppelt besteuert.
      Die Schw. Bank bietet nun einen kostenpfl. Service der Deutsche Bank AG an, wo man für jede Abrechnung einen Taxvoucher (20Euro) kaufen darf, der dann angeblich beim deutschen FA anerkannt werden solle.
      Das EstG kennt aber „voucher“ nicht sondern nur „Steurebescheinigungen“ nach § 45b.
      Weiss jemand erfahrungsbegründet Besseres ? DAnke im Voraus sagt jochen.

      • Folkert Folkert

        Hi Jochen, entschuldige bitte die sehr späte Rückmeldung auf Deine Frage. Ich verstehe ehrlich gesagt das Problem nicht so ganz. Du kannst doch mit den Dividendenabrechnungen von Deiner Schweizer Bank nachweisen, dass die Erträge ordnungsgemäß versteuert wurden, und musst sie dann doch bei der deutschen Steuererklärung eigentlich gar nicht mehr angeben…?

  4. Blumann, Kordula Blumann, Kordula

    Hallo, ich hab gestern von der NIBC Direkt die Info bekommen, dass diese Bank keine Tax voucher erstellt und ohne kann ich schlecht die Verrechnungssteuer zurückfordern. Hat man einen Anspruch auf die Erstellung dieser Tax voucher? Was tun, wenn eine Bank dies verweigert?

    • Folkert Folkert

      Dann solltest Du am besten gleich die Depotbank wechseln. Wenn Du zu maxblue gehst, musst Du dich mit dem Thema übrigens gar nicht selbst auseinandersetzen. Soweit ich weiß, holen die für ihre Kunden die Quellensteuer direkt zurück. Grüße, Folkert

    • Hartmut Hartmut

      Ich konnte ohne Tax-Voucher problemlos von der schweizerischen Steuerverwaltung die schweizerische Quellensteuer zurückerhalten (Erstantrag), wurde jedoch darauf hingewiesen, bei weiteren Anträgen das Tax-Voucher vorzulegen.

  5. Bernd Bernd

    Die OnVista-Bank verlangt für den Tax-Voucher unverschämte 20 EUR!

  6. PETER PETER

    Die ING DiBa hat mir mit der Abrechnung für die Dividendenzahlung von Nestle den tax Voucher incl. Anleitung ohne Aufforderung in die postbox geschickt.
    Sehr löblich!!

  7. TaxAbwickler TaxAbwickler

    Hallo,
    die Erklärung ist echt gut.
    Die Rückforderung muss aber nicht immer vom Anleger selbst durchgeführt werden. Es gibt Banken die für ihre Kunden die Quellensteuern in diversen Märkten zurückfordern. HAbt ihr euer Depot bei der Deutschen Bank, bei Sal Oppenheim oder auch bei der Sparda, dann könnt ihr den Service dort gern erbringen lassen.

  8. Vielen Dank für den Artikel 🙂
    Ich war so frech und habe den Artikel bei mir im Blog verlinkt.

    • Folkert Folkert

      Sehr schön, vielen Dank 🙂

  9. […] Hohe Dividendenrendite sind auf dem Schweizer Markt nicht erhältlich, ganz zu schweigen von zweistelligen Dividendenrendite wie dies im internationalen Markt der Fall ist. Jedoch gibt es doch ein paar Firmen die eine “anständige” Dividenderendite vorweisen. Die ABB, Novartis und Nestle habe ich bereits schon in meinem Portfolio Für alle nicht Schweizer habe ich noch einen interessanten Artikel gefunden: So holt man die Quellensteuer aus der Schweiz zurück […]

  10. Christoph Christoph

    Auch von mir vielen Dank für die Anleitung! Allerdings hab ich noch eine Frage – muss man die Auslandsdividenden in Anlage KAP erklärt haben, bevor das Finanzamt das Abführen der Steuer bestätigt? Ich war heute auf meinem FA bzgl. Dividenden aus 2012 und das habe ich als Auskunft erhalten. Die zwei Ausführungen des Formulars 85 für die Ämter sollte ich dort lassen. Es ist mir schleierhaft, warum keine direkte Bearbeitung möglich war, denn ich hatte alle Dividendenbescheide, Steuerabrechnungen und Tax Voucher meiner Bank dabei. Auf meine zweifelnde Nachfrage wurde mir lediglich beschieden, dass das „betriebsintern so festgelegt“ wäre.

    • Folkert Folkert

      Hallo,

      das glaube ich nicht. Die Abgeltungssteuer und der Soli werden in D von Deiner Depotbank direkt einbehalten, d. h., die Dividenden sind schon in vollem Umfang besteuert. Das kannst Du ja über die Dividendenabrechnungen auch belegen. Unter KAP werden sie meines Wissens nur angegeben, wenn man einen Teil der Abgeltungssteuer wegen eines zu geringen Gesamteinkommens zurückfordern kann. Das ist aber für den Ausgleich der Doppelbesteuerung irrelevant. Ich kenne mich mit dem deutschen Steuerrecht nicht mehr so gut aus, da ich schon seit einigen Jahren in Frankreich lebe. „Intern so festgelegt“ klingt aber nicht gerade nach einer rechtsverbindlichen Vorgehensweise, sondern eher nach einer Ausrede, weil der Herr Finanzbeamte keine Lust auf den Papierkram hatte. Den Tax Voucher muss man im D übrigens auch nicht vorlegen, der interessiert nur die Schweizer.

      Grüße

      Folkert

      • Christoph Christoph

        Hallo Folkert,
        ohne hier etwas unterstellen zu wollen, würde ich das mit meinem Eindruck decken… ich ruf am Montag nochmal dort an.

        Vielen Dank für die schnelle Antwort!
        Christoph

        • Christoph Christoph

          Nachtrag: Zum Anruf bin in den Folgetagen irgendwie nicht gekommen, dennoch hatte ich eineinhalb Wochen später das gegengezeichnete Formular in der Post, ganz ohne Drängeln. Doch noch ein Lob ans FA.

          Schöne Grüße
          Christoph

          • Klaus Kränzle Klaus Kränzle

            Aufpassen: Die Schweiz verlangt pro Überweisung EUR15 an Gebühren, so dass die Geschichte sehr schnell zum Verlustgeschäft wird, da die Überweisungen nicht zusammengefasst werden

  11. Hardy Hardy

    Hallo,
    könnt ihr mir ganz genau sagen, welches Formular
    ich downloaden muß. Es gibt sehr viele Formulare zwecks
    Erstattung der Verrechnungssteuer in der Schweiz.
    Ich denke, es hat die Nummer 85(2012).
    Danke schon Vorab für den Tipp.

    • Folkert Folkert

      Ja, das müsste das richtige sein.

      Gruß
      Folkert

  12. verwirrt und geplagt verwirrt und geplagt

    Wie hat das deutsche Finanzamt bei der EStErkl jene 15% zu berücksichtigen, die die Schweiz für sich endgültig einbehalten durfte – werden nämlich diese 15% als Ganzes von der deutschen ESt abgezogen, oder wegen des deutschen gültigen Halbeinkünfteverfahrens nur 7,5% ?

    • Folkert Folkert

      Ich bin zwar kein Steuerexperte, aber wenn ich richtig informiert bin, gibt es das Halbeinkünfteverfahren nicht mehr. Es wurde von der Abgeltungssteuer abgelöst. Die 15 Prozent anrechenbare Quellensteuer werden normalerweise beim Abzug berücksichtigt.

      Grüße
      Folkert

  13. Mike Mike

    Vielen Dnk für die Anleitung!

    Eine Frage:
    Muss man das TAX Voucher immer wieder mitschicken, oder nur beim ersten Mal?
    Braucht man jedes Jahr ein neues TAX Voucher, oder kann man immer das alte mitschicken?

    • Folkert Folkert

      Wenn ich richtig informiert bin, muss man nur für jede Aktienposition, die neu dazugekommen ist, einmalig einen Tax-Voucher einreichen. Wenn man also beispielsweise seine Nestlé-Position von 150 auf 200 Aktien aufgestockt hat, muss man für für die 50 neuen Papiere einen Tax-Voucher mitschicken. Für die 150 alten Aktien gilt noch der vom letzen Antrag, und der liegt der Schweizer Steuerbehörde ja bereits vor.

      Viele Grüße

      Folkert

      • Mike Mike

        ich habe mittlerweile mein Tax Voucher für Nestle von der ING DiBa (kostenlos innerhalb ein paar Tagen).
        Da steht aber keine Stückzahl drauf, also hoffe ich mal dass dieses Tax Voucher auch für nächstes Jahr ok ist und kein neues Datum drauf sein muss…

  14. Buck Rogers Buck Rogers

    Auch von mir Danke!

  15. Johannes Johannes

    Super tolle Anleitung. Bin auch nur durch Zufall drauf gekommen, dass die Quellensteuer ja zu Recht rückforderbar ist und hab mich dann auf die Suche gemacht.
    Die Anleitung ist super. Werd auch gleich mal meinen Privat Banking Berater (ich könnt mich jedes mal weghauen xD) anrufen und die Tax Voucher anfordern. Seit der Währungskrise läppern sich die schweizer Dividenden ja doch. Also vielen vielen Dank!

  16. Tobias Tobias

    Durch Zufall stolpere ich über Deinen Blog (in Zukunft nicht mehr aus Zufall 🙂 und finde diesen super Tipp! Schade, dass unsere Banken dort keine Automatisierung haben – ich möchte nicht wissen, wieviel Geld dort versickert.
    Ich werde mich bald darüm kümmern, BB BIOTECH AG liegt bei mir im Depot.

    Danke!

  17. Danke für diese gut verständliche Zusammenfassung!

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