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Pfeiffer Vacuum: Solider Wachstumswert

Ich beobachte seit kurzem die Aktie des hessischen Vakuumpumpen-Herstellers Pfeiffer Vacuum. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 780 Millionen Euro ist der Spezialmaschinenbauer aus dem TecDAX verglichen mit meinen anderen Depotwerten ein Winzling – aber ich glaube, einer mit viel Potenzial.

Innovative Vakuumtechnik

Zuerst habe ich mir natürlich angeschaut, was genau das Unternehmen eigentlich produziert: Vakuumpumpen werden in zahlreichen Branchen benötigt – unter anderem in der Halbleiterherstellung, Automobilindustrie, Nahrungsmittelherstellung, Oberflächenbeschichtung, Medizintechnik und Analytik – und in nahezu allen industriellen Fertigungsprozessen, in denen Bauteile per Unterdruck aufgenommen und transportiert werden. Das Produktsortiment von Pfeiffer Vacuum beinhaltet zahlreiche verschiedene Pumpenmodelle für unterschiedlichste Einsatzgebiete, aber auch Ventile, Messgeräte, Massenspektrometer und Lecksuchgeräte. Darüber hinaus werden Wartungs- und Beratungsdienstleistungen angeboten. Weltmarktführer ist das Unternehmen mit seinen Turbopumpen, den mit Abstand umsatzstärksten Produkten. Dabei handelt es sich um eine hauseigene Erfindung aus den 50er-Jahren. Die kompakten Pumpen sind wie eine Turbine aufgebaut und erzeugen mit bis zu 100.000 Umdrehungen pro Minute einen starken Unterdruck, der für verschiedene wissenschaftliche und industrielle Zwecke gebraucht wird. Das Unternehmen setzt kompromisslos auf Qualität, denn alle Produkte zeichnen sich durch lange Lebensdauer, geringen Wartungsaufwand und günstigen Energieverbrauch aus. Mit Hinweis auf geringe Betriebskosten kann Pfeiffer Vacuum seinen Kunden auch die hohen Preise seiner Produkte gut vermitteln, was sich in ordentlichen 24 Prozent Umsatzrendite im Jahr 2010 widerspiegelt.

Auf dem Weg zum Marktführer

Pfeiffer Vacuum hat sich ganz unbescheiden das Ziel gesetzt, weltweit die Nummer Eins im Bereich Vakuumtechnik zu werden, und sich seit Anfang 2010 mit zwei Übernahmen deutlich vergrößert. Im Januar 2010 übernahm das Unternehmen die Trinos Vakuum-Systeme GmbH in Göttingen, im Dezember 2010 die Vakuumpumpen-Sparte Adixen von Alcatel-Lucent. Vor allem die Übernahme des größeren Wettbewerbers Adixen hat nach Aussage des Vorstandsvorsitzenden Manfred Bender den Unternehmenswert von Pfeiffer Vacuum fast verdoppelt. Die Produktportfolios der beiden Unternehmen ergänzen sich ideal: Adixen stellt ebenfalls qualitativ hochwertige Vakuumpumpen her, allerdings hauptsächlich sogenannte Vorpumpen. Sie erzeugen das für Turbopumpen benötigte Vorvakuum, damit diese bei hohen Drehzahlen durch die auftretende Reibung nicht überhitzen. Pfeiffer Vacuum kann durch die Übernahme nun in größerem Umfang  komplette Vakuumsysteme aus Vorpumpen und Turbopumpen anbieten. Die finanzielle Handlungsfreiheit des Konzerns ist durch das Engagement nicht gefährdet, denn der Zukauf wurde nur zu einem kleinen Teil durch Bankdarlehen finanziert. Der Löwenanteil stammt aus neuen Aktien und liquiden Mitteln. Deshalb liegt die Eigenkapitalquote trotz Umsatzverdopplung immer noch bei komfortablen 56 Prozent.

Margenrückgang belastet den Kurs

Auf der Hauptversammlung Ende Mai verkündete der Vorstandvorsitzende für das Jahr 2011 ein Umsatzziel von rund 550 Millonen Euro und eine Marge von rund 15 Prozent. Während die um 150 Prozent höhere Umsatzerwartung positiv aufgenommen wurde, stieß der Margenrückgang um neun Prozent gegenüber 2010 vielen Investoren sauer auf und schickte den Aktienkurs auf Talfahrt. Die meisten Analysten waren nicht davon ausgegangen, dass die Gewinne von Adixen so schwach ausfallen würden. Aber gerade das ist aus meiner Sicht eine gute Einstiegsgelegenheit, denn: Laut Aussage des Vorstandsvorsitzenden hat sich der Unternehmenswert durch die Übernahme von Adixen innerhalb eines Jahres von 500 auf 900 Millionen erhöht – ein Wertzuwachs, der sich in 780 Millionen Euro Marktkapitalisierung zurzeit nicht ausreichend widerspiegelt.

Ich glaube, dass die fortschreitende Integration von Adixen bald wieder zu steigenden Margen führen wird, da eine Zusammenlegung des Vertriebs und der Verwaltung sowie die Optimierung der Produktpalette viele Einsparmöglichkeiten bieten – der nächste Quartalsbericht könnte diesbezüglich bereits positiv überraschen. Das Kurs-Gewinnverhältnis von 13 für das Geschäftsjahr 2011 ist moderat und auch die Dividendenrendite von 3,46 Prozent ist für ein kleines, wachstumsstarkes Unternehmen sehr attraktiv. Zudem wurde Anfang Mai ein gegenüber dem Vorjahr um 50 Prozent höherer Auftragsbestand gemeldet.

Wie alle Maschinenbau-Aktien ist auch Pfeiffer Vacuum zyklisch, der Kurs entwickelt sich parallel zur Weltkonjunktur in mehr oder weniger ausgeprägten Wellenbewegungen. Die Schwankungen fielen in den vergangenen zehn Jahren für einen Maschinenbauer aber eher moderat aus und zeigten im Trend eindeutig nach oben. Wer wie ich langfristig investiert, kann die Zyklik also ignorieren. Über den Kaufzeitpunkt kann man sicherlich streiten – schließlich ist der aktuelle Konjunkturzyklus schon weit fortgeschritten. Aber die Aktie erscheint angesichts der Wachstumsperspektive billig – und selbst wenn der Kurs sich ein bis zwei Jahre lang seitwärts entwickeln sollte, gibt es ja immer noch eine schöne Dividende.

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