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Vorsicht bei Dividendenfonds

Dividendenfonds werden von den Banken gerne als sichere und renditestarke Geldanlagen empfohlen. Einige Fonds schneiden tatsächlich recht gut ab, aber es gilt wie so oft, die Spreu vom Weizen zu trennen und sich die Zusammensetzung des jeweiligen Fonds genau anzuschauen. Überdurchschnittlich hohe Gewinnanteile schütten vor allem Banken, Versicherungen, Versorger und Telekom-Unternehmen aus. Deshalb sind Aktien dieser Unternehmen in Dividendenfonds meist überproportional vertreten. Gerade solche Fonds aber sollte man meiden.

Banken: In Krisenzeiten eine schlechte Wahl

Auf verschiedenen Finanzportalen im Internet und auch in Börsenzeitschriften stößt man immer wieder auf die Floskel: „Die hohe Dividende sichert den Kurs nach unten ab.“ Diese Börsenregel erscheint mir ziemlich fragwürdig. Man muss sich nur einmal die Banken anschauen: Die hohe Dividende hat die Kurse in der Subprimekrise nicht davor bewahrt, ins Bodenlose zu stürzen. Dazu kommt, dass die steigenden Staatsschulden der Industrieländer und das zunehmende Ungleichgewicht zwischen den verschiedenen Währungen nicht gerade ein optimales Umfeld für risikoarme Geldgeschäfte sind. Trotzdem gehen die Investmentabteilungen der Großbanken weiter hohe Risiken ein, denn mit dem klassischen Kreditgeschäft sind die üppigen Dividendenrenditen kaum zu finanzieren.

Versicherungen: Riskante Schadensfreiheits-Spekulation

Versicherungen sind an der Börse klassischerweise niedrig bewertet, ihre Kurs-Gewinn-Verhältnisse liegen meist im einstelligen Bereich. Auch das hat seinen Grund, denn bei Naturkatastrophen wie jüngst dem Erdbeben in Japan müssen sie für einen Großteil der Schäden haften. Noch härter treffen solche Ereignisse die Rückversicherer, denn bei ihnen versichern sich die Versicherungskonzerne selbst gegen hohe Schadenersatzforderungen. Letztendlich ist also der Kauf einer Versicherungsaktie eine Spekulation auf ein schadenarmes Jahr und damit nicht gerade ein risikoarmes Investment. Hinzu kommt, dass Versicherungskonzerne zusammen mit den Banken in Finanzkrisen regelmäßig die höchsten Wertverluste zu verkraften haben.

Versorger: Der Staat mischt mit

Ein schwieriger Fall sind auch Versorgeraktien wie RWE und E.ON. Die Konzerne erwirtschaften mit ihrem Geschäftsmodell – der Stromerzeugung – zwar sehr hohe Renditen, werden aber immer wieder zum Spielball der Politik. Zum einen müssen sie wegen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes hohe Einspeisevergütungen für regenerativ erzeugten Strom bezahlen, zum anderen sollen sie in absehbarer Zeit ihre Cashcows, die Atomkraftwerke, abschalten. Hinzu kommt, dass im dezentralen Stromnetz der Zukunft mit vielen kleinen Anbietern für diese Energie-Dinosaurier kaum Platz bleiben dürfte. Das alles lässt für die Wertentwicklung der ohnehin wachstumsschwachen Unternehmen nichts Gutes erahnen – und darüber können auch die hohen Dividendenrenditen nicht hinwegtrösten.

Telekommunikation: Schwindende Margen

Die Telekommunikation ist ein weiteres, sehr schwieriges Geschäftsfeld. Die meisten der europäischen Telekomkonzerne sind immer noch schwerfällige ehemalige Staatsbetriebe mit hohen Pensionsverpflichtungen für ihre verbeamteten Mitarbeiter. Wachstumschancen gibt es nur noch in Afrika, Asien und Südamerika, aber auch dort sind die Felle schon weitestgehend verteilt. Der hohe Konkurrenzdruck in den Industriestaaten lässt die Margen schmelzen und zwingt die Konzerne gleichzeitig zu hohen Investitionen, um ihre Infrastruktur auf dem neuesten Stand zu halten. Wer dennoch in die Telekommunikation investieren will, sollte Aktien von Konzernen mit großen Schwellenländer-Engagements kaufen wie beispielsweise Vodafone (Indien) und Telefonica (Südamerika). Die Deutsche Telekom hat die Expansion leider völlig verschlafen. Sie kämpft gegen sinkende Umsatzerlöse und kleine Mitbewerber wie beispielsweise United Internet, die im Internet-Geschäft inzwischen innovativer und erfolgreicher sind.

Wichtig: Stetiges Wachstum und Dividenden-Kontinuität

Aber welche Aktien sind die richtigen? Ganz einfach: Große Unternehmen mit robusten Wachstumsraten, hoher Dividendenrendite und – das ist der entscheidende Punkt: hoher Dividenden-Kontinuität. Im Gegensatz zur reinen Dividendenerwartung sichert letztere die Aktienkurse nämlich tatsächlich nach unten ab. Philip Morris International beispielsweise hat seit seiner Abspaltung vom Mutterkonzern Altria seine Dividende Jahr für Jahr um etwa zehn Prozent erhöht. Auch Nesté und – mit Einschränkungen – BASF werden wegen ihrer Verlässlichkeit in Sachen Dividenden-Erhöhungen geschätzt. Mein Tipp: Wer fünf bis sechs verschiedene Aktien dieser Art aus verschiedenen Ländern und/oder Branchen kauft, hat ein gut diversifiziertes, ertragsstarkes Depot, das in Sachen Wertzuwachs wahrscheinlich mit der Mehrheit der Dividendenfonds mithalten kann – allein schon deshalb, weil man die Managementgebühren spart.

Wer sein Depot etwas risikoreicher ausrichten will, sollte die Aktien von zwei bis drei kleineren, inhabergeführten Firmen wie beispielsweise Delticom (Online-Reifenhandel) oder Fuchs Petrolub (Schmierstoffe) beimischen. Die Vorstände und ihre Familien halten meist Aktienpakete zwischen 25 und 50 Prozent und zahlen gerne hohe, aber für das Wohl des Unternehmens noch vertretbare Dividenden. Gleichzeitig gibt sich der Vorstandsvorsitzende aus der Inhaberfamilie meist mit einem vergleichsweise bescheidenen Salär zufrieden. Der Grund ist ein steuerlicher: Ein hohes Gehalt muss zum Spitzensteuersatz von 45 Prozent versteuert werden, für Einnahmen aus Dividenden werden nur 25 Prozent Abgeltungssteuer plus Soli fällig.

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