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Tabak-Aktien: Das beste Investment der Welt

Zugegeben: Aus moralischer Sicht ist es nicht ganz einwandfrei, sein Geld in die Aktien von Tabakkonzernen zu investieren. Schließlich verdienen die Firmen ihr Geld damit, dass sich Otto Normalverbraucher die Gesundheit ruiniert. Allerdings wird niemand zum Rauchen gezwungen – und das ist der große Unterschied etwa zu Rüstungskonzernen, deren Produkte Menschen töten, ohne dass die sich dagegen wehren könnten. Deshalb habe ich als Ex-Raucher auch kein Problem damit, am Zigaretten-Umsatz der Tabakkonzerne mitzuverdienen.

Unabhängig von derartigen Fragestellungen gibt es an der Börse kaum ein Investment mit einem derartig günstigen Chance-Risiko-Verhältnis. Das hat verschiedene Gründe.

Geringe Herstellungs- und Entwicklungskosten

Wer zum ersten Mal eine Zigarettenfabrik von innen sieht, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die gesamte Produktion ist bis zur Verpackung und Palettierung voll automatisiert. Die wenigen Arbeiter sind lediglich dafür zuständig, die Technik zu überwachen und die Rohmaterialien nachzufüllen, im Wesentlichen Ballen verschiedener Tabak-Sorten, Zigarettenpapier, Filter und Verpackungsmaterial. Das hat zur Folge, dass die Personalkosten zur Herstellung einer Schachtel Zigaretten verschwindend gering sind.

Zigaretten sind zudem ein einfaches Produkt. Anders als bei Technologiekonzernen, die einen hohen Anteil ihrer Erträge in die Forschung investieren müssen, um auch in Zukunft konkurrenzfähige Produkte auf den Markt bringen zu können, konzentrieren sich Tabakkonzerne auf die Optimierung der Produktionsabläufe. Am Produkt selbst gibt es kaum etwas zu verbessern. Derzeit entwickeln allerdings viele Tabakkonzerne rauchlose Zigaretten – natürlich, um das Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden umgehen zu können.

Vergleichsweise niedrig sind übrigens auch die Distributions- und  Transportkosten, denn Zigaretten sind leicht, einfach zu verpacken und unempfindlich gegenüber Beschädigungen.

Geringe Marketingkosten

Während Lebensmittelkonzerne riesige Werbe-Etats brauchen, um ein neues Produkt am Markt zu etablieren, kommen Tabakkonzerne mit recht übersichtlichen Marketingbudgets aus. Der Grund dafür ist das in vielen Ländern herrschende Werbe-Verbot. Die Platzhirsche der Branche wie Philip Morris International, BAT und Imperial Tobacco sind darüber alles andere als unglücklich. Schließlich manifestiert das ihre Marktanteile und macht es für neue Wettbewerber und Marken nahezu unmöglich, ein Stückchen vom Kuchen zu ergattern.

Regelmäßige Preiserhöhungen

Kaum einem Unternehmen fällt es so leicht, seine Preise an die Inflation anzupassen. Der Grund dafür ist die Tabaksteuer, die in den meisten Industriestaaten einen erheblichen Teil des Zigarettenpreises ausmacht. Und wenn ein Finanzminister mal wieder nicht weiß, wie er sein Haushaltsdefizit reduzieren soll, dann wird als erstes die Tabaksteuer erhöht. Das ist einfach, weil es eine Minderheit betrifft, die keine starke Lobby hat. Mit jeder Steuererhöhung erhöhen auch die Tabakkonzerne ihre Verkaufspreise um ein paar Cent. Praktisch, denn diese Preisanpassungen werden unter dem Deckmantel der Steuererhöhungen kaum wahrgenommen. Die Industriestaaten haben wegen ihrer hohen Tabaksteuern also einen weitgehend regulierten Markt geschaffen, in dem sich die großen Konzerne auch ohne strafbare Preisabsprachen üppige Margen sichern können. Einseitige Preisdumping-Attacken sind kaum zu befürchten, denn die hohen Steuern machen den Effekt zunichte.

Die Risiken

Raucherklagen setzten bis vor etwa sechs Jahren Philip Morris und anderen Konzernen in den USA schwer zu, denn die horrenden Schadensersatzforderungen für Gesundheitsschäden haben die Margen schmelzen lassen wie Butter in der Sonne. Die Konsequenz: Der alte Philip Morris-Konzern wurde in die drei Tochterfirmen Kraft, Altria und Philip Morris International aufgespaltet. Kraft Foods – die inzwischen Mondelez heißt – konzentriert sich auf Nahrungsmittel, während Philip Morris International das von Raucherklagen befreite ausländische Tabak-Geschäft übernommen hat. Altria führt das US-Tabakgeschäft fort.

In Europa und den USA gehen die Umsätze der Tabakkonzerne trotz regelmäßiger Preisanpassungen zurück. Das hat vor allem damit zu tun, dass in vielen Ländern Rauchverbote in Gaststätten eingeführt wurden und das Gesundheitsbewusstsein steigt. Die Schwellenländer kompensieren diese Umsatzverluste aber spielend, denn immer mehr Südamerikaner und Chinesen lassen die lokalen Marken links liegen und greifen stattdessen zur Marlboro.

Fazit

Große Tabakkonzerne sind nach wie vor wachstumsstark. Insbesondere Philip Morris International steigert seine Umsätze jedes Jahr deutlich und erhöht regelmäßig die Dividende. Außerdem haben viele Investoren offensichtlich noch nicht realisiert, dass die Raucherklagen  mittlerweile keine Bedrohung mehr sind. Vor allem für konservative Anleger gibt es kaum Alternativen mit vergleichbarem Gewinnwachstum.

Ein Kommentar

  1. Rohrschelle Rohrschelle

    Interessante Analyse, sehr gut durchdacht – ich glaube, ich werde mir ein paar Aktien von Philip Morris zulegen.

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